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  • Kostenloses Seminar – Friede ist mehr als kein Krieg.

    Im Gespräch bleiben, Konflikte aushalten, Extremismus erkennen. Handlungsmöglichkeiten und Haltung in der Arbeit mit Jugendlichen, die mit extremistischen Ideologien sympathisieren.
    Mit Alex Mikusch,
    Sozialpädagoge

    16.0ktober 2026, 09.00-17.00 Uhr
    Schloss Retzhof

    Anmeldung: office@retzhof.at

  • Rezension: 50 Jahre Arena – ein besonderes Zeitdokument

    Die Arena wird heuer 50 Jahre alt – ungewohnt still und beinahe heimlich. Dafür gibt es nun ein sehr feines Buch als Zeitdokument zu diesem Jubiläum. Es zeichnet die Entstehungsgeschichte der Arena akribisch recherchiert nach und liefert zahlreiche Hintergrundinformationen. Reichlich Bildmaterial mit Fotos, Plakaten und Flyern macht fünf Jahrzehnte Arena-Geschichte lebendig.

    Denn die Arena ist natürlich nicht einfach irgendein Veranstaltungsort in Wien. Sie ist ein Ort der Begegnung, des Austauschs und des Diskurses – und damit auch ein Ort gelebter Demokratie. Selbstverwaltung wird großgeschrieben, Konsens ist ein wichtiger Bestandteil der Entscheidungsprozesse und eine klar antifaschistische Haltung gehört zum Selbstverständnis.

    Besonders interessant ist der Blick auf die Menschen, die diesen Ort bis heute tragen. Die „Arenauten“, wie sie sich selbst nennen, verstehen die Arena gerne als „gallisches Dorf“. Die heute aktiven Mitarbeiter:innen sind zwischen 18 und 71 Jahre alt und kommen aus unterschiedlichsten Berufsfeldern. Diese Vielfalt ist wohl auch ein Teil dessen, was die Arena seit Jahrzehnten ausmacht.

    Das Buch zeigt eindrücklich, mit welchen Herausforderungen und Widrigkeiten diese Form der Kulturarbeit zu kämpfen hat – damals wie heute. Selbstverwaltung, gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse und ein Kulturbetrieb abseits rein wirtschaftlicher Interessen sind alles andere als selbstverständlich.

    Gerade deshalb ist dieses Buch mehr als eine Chronik zum 50. Geburtstag. Es erinnert daran, wie wichtig Orte sind, an denen Kultur, Begegnung, Diskussion und gesellschaftliche Teilhabe möglich sind.

    Umso wichtiger ist der Erhalt der Arena für eine lebendige und vielfältige Kulturlandschaft. Bleibt zu wünschen, dass dieses „gallische Dorf“ noch lange bestehen bleibt – eigenwillig, selbstverwaltet und offen für alle, die Kultur nicht nur konsumieren, sondern auch mitgestalten wollen.

  • Rezension: Andreas Speit: Verqueres Denken: gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus.

    Der deutsche Journalist und Publizist Andreas Speit gilt seit vielen Jahren als versierter Kenner der rechtsextremen Szene in Europa und ist auf diesem Gebiet ein allgemein anerkannter Experte. Er hat zahlreiche Bücher geschrieben, die sich mit rechtsextremen Netzwerken und Ideologien befassen.

    Mit Verqueres Denken aus dem Jahr 2022 legt Andreas Speit eine präzise Analyse jener gesellschaftlichen Milieus vor, die sich zwischen Esoterik, Verschwörungsglauben, Wissenschaftsskepsis und politischer Radikalisierung bewegen. Untersucht werden dabei alternative Szenen, Impfgegner:innen und spirituelle Bewegungen, die auf den ersten Blick heterogen erscheinen, jedoch ähnliche Denkstrukturen teilen.

    Zentral ist Speits Beobachtung, dass Verschwörungserzählungen besonders in unsicheren Zeiten attraktiv werden. Sie täuschen Stabilität und Ordnung vor: Die Welt erscheint plötzlich klar strukturiert, in Gut und Böse eingeteilt und scheinbar eindeutig erklärbar. Dabei macht das Buch deutlich, dass die Corona-Pandemie keine völlig neuen Verschwörungstheorien hervorgebracht hat. Viele Narrative existierten bereits zuvor und wurden lediglich aktualisiert oder neu kombiniert.

    Besonders überzeugend beschreibt Speit die kulturellen und psychologischen Hintergründe dieser Entwicklungen. Die zunehmende Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelt erzeugt bei vielen Menschen eine Sehnsucht nach Entschleunigung, Einfachheit und Spiritualität. Daraus entsteht ein Milieu, das offen ist für esoterische Deutungen und alternative Heilversprechen. Der boomende Esoterikmarkt spiegelt diese Entwicklung wider. Auch in linksalternativen Milieus beobachtet Speit seit Jahren einen regelrechten „Psychoboom“. In diesem Zusammenhang greift das Buch auch das Phänomen der „Conspirituality“ auf – die Verbindung von Spiritualität und Verschwörungsglauben.

    Speit beschreibt schlüssig, dass in alternativen Szenen schon lange eine Nähe zu Esoterik und spirituellen Weltbildern existiert. Problematisch wird dies dort, wo Wissenschaftsfeindlichkeit und Technikskepsis dominieren. Gerade bei Querdenker:innen seien solche Haltungen weit verbreitet. Besonders deutlich wird dies beim Thema Impfen, die Folgen dieser Skepsis: Krankheiten, die bereits als nahezu ausgerottet galten, treten wieder verstärkt auf.

    Ein weiterer Schwerpunkt des Buches ist die politische Dimension dieser Denkweisen. Speit beschreibt die Strategie vieler Akteur:innen als gezielte Delegitimierung von Staat, Wissenschaft und demokratischen Institutionen. Besonders eindrücklich analysiert er die sprachliche Umdeutung politischer Begriffe, wodurch demokratische Werte entwertet oder bewusst verdreht werden sollen.

    Dabei macht Speit deutlich, dass es sich nicht nur um Randphänomene handelt. Vielmehr spricht er von einem „Extremismus der Mitte“, der tief in gesellschaftliche Debatten hineinwirkt. Besorgniserregend ist zudem seine Darstellung antisemitischer Motive innerhalb verschwörungsideologischer Diskurse. So werde Schulmedizin immer wieder als „jüdische Medizin“ diffamiert, Impfungen als angeblicher Aberglaube jüdischer Ärzt:innen dargestellt, die sich bereichern wollten. Speit zeigt, wie traditionelle antisemitische Feindbilder in modernen Verschwörungserzählungen fortbestehen.

    Stilistisch bleibt das Buch sachlich, journalistisch präzise und gut recherchiert. Zahlreiche Beispiele aus Demonstrationen, sozialen Netzwerken und alternativen Medien machen die Analyse anschaulich und nachvollziehbar

    Verqueres Denken ist eine wichtige Analyse moderner Verschwörungskulturen und demokratiefeindlicher Strömungen. Andreas Speit gelingt es, gesellschaftliche Entwicklungen differenziert zu beschreiben und zugleich die Gefahren ideologischer Radikalisierung klar zu benennen. Das Buch bietet wertvolle Einsichten für alle, die verstehen möchten, warum Verschwörungsglauben, Esoterik und Demokratiefeindlichkeit heute so eng miteinander verwoben sind.

  • Seminar „Wie normal ist radikal“ am 10. April 2026

    Wie normal ist radikal?

    Wir sollten darüber reden.

    Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Provokation und Ideologie.

    10. April 2026
    09.00 – 17.00 Uhr
    Bildungshaus Retzhof

    Anmeldung: office@retzhof.at

  • Rezension: Holm Gero Hümmler, Ulrike Schiesser: Fakt und Vorurteil. Kommunikation mit Esoterikern, Fanatikern und Verschwörungsgläubigen.

    Ulrike Schiesser arbeitet seit mehreren Jahren bei der österreichischen Bundesstelle für Sektenfragen und ist Expertin in den Bereichen Esoterik, Personenkulte und  Verschwörungsideologien. Holm Gero Hümmler ist Physiker und in Deutschland als Unternehmensberater tätig. Die Autorin und der Autor haben in diese Publikation ihre langjährigen Erfahrungen einfließen lassen, ergänzt durch Interviews mit 20 Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen. Ihr Anliegen ist es Erklärungen, Anregungen und Denkanstöße zu liefern, aber auch konkrete Vorschläge für typische Gesprächssituationen anzubieten. Zudem kommen ehemalige Verschwörungsgläubige zu Wort und erklären, welche Faktoren bei ihnen ein Umdenken ausgelöst haben.

    Die beiden Autor:innen betonen, dass Verschwörungsglaube stets eine Bedrohung für die Demokratie darstellt und gehen mit Verschwörungsgläubigen hart ins Gericht. Damit verbunden ist nicht selten die Überzeugung, die Gesellschaft ohnehin nicht mitgestalten zu können, da sie von finsteren Mächten gesteuert werde. Eine solche Haltung kann Hass, Gewalt und Extremismus begünstigen. Verschwörungsgläubige können demnach gewaltbereite Personen sein und auch Allianzen mit radikalen Bewegungen bilden, etwa mit den sogenannten Reichsbürgern.

    Im Buch wird ausführlich beschrieben, wie stark unser Denken und unsere Entscheidungen von Gefühle gesteuert werden. Emotionen bestimmen unser Handeln deutlich stärker als Logik und Verstand. Weiters werden verschiedene psychologische Mechanismen und ihre Wirkungsweise beschrieben. Menschen glauben eher an das, was sie glauben möchten, sie neigen zu Selbstüberschätzung und sind anfällig für Denkfehler. Zudem gehen wir bei der Urteilsbildung oft den Weg des geringsten Widerstandes.

    Eine Strategie im Umgang mit Verschwörungsgläubigen hängt laut den Autor:innen immer von der jeweiligen Situation ab, daher kann es kein allgemeingültiges Erfolgsrezept geben. Schweigen sei jedoch keine Option, wenn durch gefährliche alternative Heilmethoden Kinder oder andere schutzbedürftige Personen zu Schaden kommen könnten. Ebenso müsse klar Stellung bezogen werden, wenn sich Pseudowissenschaft mit Rassismus verbindet und durch Verschwörungstheorien der Holocaust gerechtfertigt wird.

    Als eine Empfehlung für die Gesprächsführung raten die Autor:innen dazu eher kritische Fragen zu stellen, anstatt direkt zu argumentieren. Im Idealfall gelangt das Gegenüber dadurch selbst zu neuen Einsichten. Das übergeordnete Ziel ist es nicht, sein Gegenüber zu überzeugen, sondern im Gespräch und in Beziehung zu bleiben. Trotzdem ist es wichtig Position zu beziehen und Widerspruch zu äußern, um einer Normalisierung antidemokratischen Gedankenguts entgegenzuwirken.

    Es wird betont, dass die Beziehungsebene entscheidend für die Aufnahme von Informationen ist. Um Menschen zu erreichen, müssen ihre Emotionen angesprochen werden, eine reine Faktenvermittlung genügt nicht. Ein wichtiger Erfolgsfaktor in der Deradikalisierung ist eine konstruktive Diskussionskultur: ein wertschätzender Umgang und eine gute Gesprächsbasis, statt bloßes Korrigieren und Belehren.

     

    Fazit:

    Da Verschwörungsglaube seit Jahren im Steigen ist, erweist sich dieses Buch als äußerst praxisnaher Ratgeber. Es macht verständlich, warum wir alle stark von Emotionen gesteuert sind und liefert konkrete Handlungsempfehlungen für schwierige Gespräche. Und die gute Nachricht lautet: ein Umdenken ist möglich, aber oft langwierig und schmerzvoll.

  • Rezension: Heimo Halbrainer: Frieda, Sepp, Lisl, Franz und all die anderen: Widerstandskämpferinnen und -kämpfer gegen den Nationalsozialismus

    Der Grazer Historiker Heimo Halbrainer arbeitet vorrangig zu Erinnerungs- und Gedenkkultur mit lokalem Bezug und hat dazu zahlreiche Bücher verfasst und herausgebracht. Sein bereits 1995 gegründeter Verein Clio beschäftigt sich mit Geschichts- und Bildungsarbeit, unter anderem zum Thema Nationalsozialismus und Widerstand. Der Verein möchte mit seiner Arbeit Menschen sichtbar machen, die sich gegen den Nationalsozialismus gestellt haben und für ihre Überzeugung eingestanden sind. Halbrainer ist für seine Tätigkeiten mehrfach ausgezeichnet worden, so erhielt er zum Beispiel 2013 den Menschenrechtspreis der Stadt Graz.

    Das vorliegende Buch behandelt verschiedene steirischen Widerstandstätigkeiten gegen den Nationalsozialismus. Während deutsche Beispiele wie die Geschwister Scholl oder Graf von Stauffenberg gut bekannt sind und deren Erlebnisse vielfach verfilmt wurden, zeigt Halbrainer auf, dass es auch in Österreich einen bedeutenden Widerstand gab, der jedoch nach dem Krieg in Vergessenheit geraten ist. Es ist ein Thema, dass in der bisherigen Geschichtsforschung bisher nur marginal behandelt wurde. Auch in der Steiermark gab es bedeutende Widerstandstätigkeiten, was nahezu unbekannt ist.

    Heimo Halbrainer hat in dieser Auswahl die Lebensgeschichten von über 20 steirischen Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern festgehalten. Dies sind Frauen und Männern, die seit 1938 auf vielfältige Art und Weise gegen den Nationalsozialismus aufgetreten sind. Ihr Engagement umfasste etwa die Verteilung von Flugblättern, die Hilfe an Mithäftlingen in den Konzentrationslagern, verschiedene Sabotagetätigkeiten oder im bewaffneten Partisanenkampf gegen die Nationalsozialisten.

    Einige der angeführten Personen haben diese Zeit nicht überlebt, sie wurden wegen ihrer Widerstandstätigkeiten hingerichtet. Andere waren auch noch nach dem Krieg aktiv und haben in Schulen als Zeitzeug:innen über die Zeit im Nationalsozialismus berichtet.

    Halbrainer führt an, dass nur wenige dieser Menschen zu Lebzeiten die Aufmerksamkeit und Anerkennung erhalten haben, die sie für ihren aktiven Einsatz gegen den Nationalsozialismus verdient hätten. Er unterstreicht außerdem wie wichtig der eigene Beitrag Österreichs war, den die Alliierten auf der Moskauer Konferenz im November 1938 als Voraussetzung für die Wiedererlangung der Unabhängigkeit des Landes einforderten.

    Fazit: dieses Buch ist ein äußerst wichtiger Beitrag zur lokalen Zeitgeschichte.

  • Rezension: Julia Ebner: Massenradikalisierung. Wie die Mitte Extremisten zum Opfer fällt

    Julia Ebner ist derzeit wohl die bekannteste und bedeutendste Expertin, die intensiv zum großen Themenfeld Radikalisierung  arbeitet. Sie hat sich auf Terrorismus und verschiedene Formen von Extremismus spezialisiert und berät seit mehreren Jahren unterschiedliche Gremien und Arbeitsgruppen in ganz Europa. Die österreichische Wissenschaftlerin und Buchautorin forscht seit Jahren in London, derzeit am Institute for Strategic Dialalogue. Ebner hat für ihre wichtigen Tätigkeiten zahlreiche Auszeichnungen erhalten, so unter anderem den Bruno-Kreisky-Preis.

    Die Autorin beschreibt das Phänomen, dass bisher randständige Ideologien und antidemokratische Ansichten seit Jahren gefährlich weit in die gesellschaftliche Mitte gewandert sind und es einen deutlichen Trend zu einer Massenradikalisierung gibt.

    Laut Ebner erfüllen diese Bewegungen Bedürfnisse und füllen ein Vakuum. Die Ursachen für die rasante Verbreitung menschen- und demokratiefeindlicher Ideologien liegen ihren Beobachtungen zufolge in einer globalen Vertrauenskrise. Gewinner dieser Krise sind demnach rechtspopulistische Parteien und staatliche Akteure wie Russland, die ein Interesse an der Erschütterung der liberalen Demokratie haben.

    Das Buch beschreibt eine zu beobachtende Beschleunigung der Radikalisierung, die vor allem durch Social Media begünstigt wird. Es wird ausführlich erklärt, dass Algorithmen  so konzipiert sind, dass sie Empörung fördern und belohnen. Wer im Journalismus überleben will, muss demzufolge eine radikale Position einnehmen.

    In ihren Ausführungen beschreibt Ebner, dass es manche der obskursten Ideen und extremistischen Verschwörungsmythen mittlerweile  in die Mitte der Gesellschaft geschafft haben. Als Beispiel nennt sie QAnon, eine aus den USA stammende Gruppierung mit rechtsextremem und antisemitischem Hintergrund, die durch die Coronaproteste auch in Österreich Fuß gefasst hat. QAnon gilt als Sammelbecken verschiedener Verschwörungsideologen, die sich in ihrem Frust und ihrer Wut zusammengetan haben.

    Julia Ebner schildert weiter, dass diese Gruppierungen anfänglich kleine Subkulturen waren, die erst größeren politischen Einfluss gewonnen haben als sie starke internationale Netzwerke gebildet und alternative Mediensysteme aufgebaut haben. Die Anhänger:innen gehen überraschende Koalitionen ein und bilden große Schnittmengen mit radikalen Leugner:innen von Corona und Klimawandel, Verschwörungsideologen und Rechtsextremen. Als derzeit bedeutendste Quelle der Desinformation und Radikalisierung nennt Ebner Telegram.

    Die Autorin beobachtet, dass Verschwörungsideologen immer wieder eine neue Krise benötigen würden. Nachdem die prophezeiten massenhaften Impftoten ausblieben, war den Ausführungen der Autorin nach der Angriffskrieg auf die Ukraine ein gefundenes Fressen für die Coronaleugner:innen, die schon zuvor russische Propagandamedien konsumierten. Ab dem Tag der russischen Invasion in die Ukraine konnte sie beobachten, wie Anti-Covid Aktivisten:innen ihren Fokus auf den Krieg verlagerten.

    Das Buch wirft die Frage auf, wie damit umzugehen ist, wenn antidemokratische Bewegungen Begriffe wie Freiheit, Menschenrechte und Demokratie kapern und für sich vereinnahmen wollen, wie es etwa während der Corona-Pandemie zu beobachten war. Wie sollen wir vorgehen, gegen diejenigen, die behaupten, die Demokratie zu verteidigen, in Wirklichkeit aber durch unverantwortliches Verhalten die Freiheit anderer Menschen beschneiden? Ebenrs Antwort darauf ist, diese Begriffe wieder positiv zu besetzen.

  • Wie normal ist radikal? Wir sollten darüber reden!

    Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Provokation und Ideologie

    Beginn: Freitag, 24. Oktober 2025 // 09:00 Uhr
    Ende: Freitag, 24. Oktober 2025 // 17:00 Uhr
    Ort: Dorfstraße 17, 8435 Wagna

    Extremismus ist ein sehr komplexes Phänomen, das die Gesellschaft aktuell vor große Herausforderungen stellt. Jugendverantwortliche nehmen in Bezug auf Radikalisierung eine enorm wichtige Rolle in der Präventionsarbeit ein. In der Arbeit mit jungen Menschen gelten Beziehungsarbeit und Diskurs als die wichtigsten Ressourcen gegen ein extremistisches Weltbild. Hier können demokratische Werte und Prinzipien auf niederschwellige Art im Alltag vorgelebt werden.

    Provokationen und ein unangepasstes Verhalten sind bei Jugendlichen nicht ungewöhnlich, sondern Bestandteil einer gesunden Sozialisierung. Meistens bleibt es in dieser Lebensphase beim Austesten von Grenzerfahrungen. Wieviel müssen wir als Jugendverantwortliche dabei aushalten, ab wann kann sich daraus eine demokratiegefährdende Ideologie entwickeln?

    Methoden:

    • Präsentation
    • Musik- und Videobeispiele
    • Diskussion

    Ziele:

    • Hintergründe und Zusammenhänge von Radikalisierungsprozessen erkennen
    • Erarbeitung von Handlungsoptionen im Umgang mit Extremismus
    • Haltungen, Möglichkeiten und Grenzen in der eigenen Arbeit reflektieren

    Zielgruppe:

    Jugendverantwortliche (Jugendarbeiter.innen, Lehrer:innen, Jugendbetreuer:innen, Multiplikator:innen…)

    Seminarleitung: Alex Mikusch ist als Sozialpädagoge tätig und hat über 20 Jahre Erfahrung in verschiedenen Bereichen der offenen Jugendarbeit gesammelt. Bachelorarbeit zum Thema „Rechtsorientierte Jugendszenen – Hintergründe, Zugangsweisen und Gegenstrategien aus Sicht der Jugendarbeit“. Seit 2006 diverse Workshops zu den Themen Extremismus, Jugendkulturen und Musik unter anderem im Auftrag der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus und der Beratungsstelle Extremismus. Seit 2020 Workshops über den eigenen Verein SPUNK. www.spunk-graz.at

    Die Teilnahme am Seminar ist dank einer Förderung der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung kostenlos.

    Hier geht es zur Anmeldung: https://www.retzhof.at/bildungshaus/bildungsangebot/index.php/seminars/registerToSeminar?id=397

  • Rezension: Petra Ramsauer: Die Dschihad Generation – Wie der apokalyptische Kult des Islamischen Staats Europa bedroht

    Petra Ramsauer ist eine österreichische Politikwissenschaftlerin und Journalistin, die seit 25 Jahren im Bereich der Kriegs- und Krisenberichterstattung im Nahen Osten tätig ist. In ihrem bereits 2015 erschienenen Buch bietet sie ein umfassendes Basis- und Hintergrundwissen zum Thema Islamischer Staat. Für die Recherche hat  sie mit Sympathisant:innen, Augenzeug:innen und Opfern aus Syrien gesprochen. 

    Die Autorin beschreibt ausführlich, warum es in den letzten Jahren tausende Jugendliche aus Europa in den „Islamischen Staat“ gezogen hat. Ihre Ausführungen erklären, wie der IS aus seiner Mutterorganisation Al Kaida  hervorgegangen ist und wie er von inhaftierten Jugendlichen in Deutschland und Österreich mitentwickelt wurde.

    Das Buch zeigt detailliert Rekrutierungsprozesse auf und erklärt, mit welchen psychologischen Methoden Anwerber arbeiten. Ramsauer betont, dass marginalisierte Jugendliche besonders anfällig für Radikalisierung und daher bevorzugte Zielgruppe für Rekrutierer sind. Hauptsächlich im öffentlichen Raum und in Parks trifft man demnach auf die bevorzugte Zielgruppe: sinnsuchende Jugendliche, die dort ohne jegliche Perspektive und Begleitung sehr viel Tagesfreizeit verbringen. Laut Ramsauer sind es Jugendliche, die verzweifelt auf der Suche nach familiärem Anschluss und Geborgenheit sind. Die Zugehörigkeit zum IS bietet vermeintlich Klarheit in einer zunehmend verwirrenden Welt.

    Den Ausführungen der Autorin zufolge sind Ausgrenzungs- und Entfremdungserfahrungen ein entscheidende Faktoren bei einer Radikalisierung. Für viele Jugendliche ist der moderne Westen mit seiner Freiheit und Diversität zu komplex. Die IS-Propaganda verbreitet in Europa die Annahme, dass die Welt den Muslimen den Krieg erklärt hat und sie im Stich lässt. Dieses einfache Gut/Böse-Denken gibt Jugendlichen vermeintlich Halt. In diesem Zusammenhang spricht die Autorin von einer Dschihadgeneration, die zu einem Magnet für revoltierende Jugendliche geworden ist. 

    Der IS ist mittlerweile ein terroristisches Massenphänomen, der einen Gegenentwurf zu einem westlichen Lebensstil darstellt. Im Buch wird der IS als eine etablierte Marke beschrieben, die durch perfekte Mediengestaltung und gezielt eingesetzte Narrative einen hohen Wiedererkennungswert hat. Soziale Medien fungieren dabei als zentrales Steuerungselement, diese sind gleichzeitig perfekte Propagandamaschine und Netzwerk.

    Ramsauer spricht auch von Gefängnissen als Risikozonen weiterer Radikalisierung. Die meisten IS-Gewalttäter waren zuvor in Haft und verhalten sich dort angepasst und unauffällig. Eine Haftstrafe wird von den betreffenden Jugendlichen als Auszeichnung gesehen. Gefängnis alleine ist demnach keine ausreichende Maßnahme zur Lösung dieser Probleme. Ramsauer plädiert anstatt dessen für verschiedene soziale Maßnahmen in der Deradikalisierungsarbeit, da diese ihrer Meinung nach nachhaltiger und langfristiger wären. So spricht sie sich für verschiedene Resozialisierungsmaßnahmen aus und betont die Notwendigkeit Entfremdung und Ausgrenzung entgegenzuwirken.

    Die Autorin schließt mit dem Fazit, dass es viel mehr an Angeboten und Unterstützung für die betreffenden Zielgruppen brauchen würde. Auffällig: das Buch ist bereits 10 Jahre alt, diese Erkenntnisse und Empfehlungen sind bereits seit Langem da. Es scheitert aber leider immer noch an einer entsprechenden Umsetzung.

  • Es war toll!

    Unser Spunk Fest war eine sehr gelungene Veranstaltung. Gut 300 Gäste feierten gemeinsam mit uns das fünfjährige Bestehen des Vereins. Bei bestem Wetter wurde ausgiebig Party gemacht und vernetzt. In der Konzerthalle konnte kräftig zu den beiden Bands abgerockt werden, Kalliota und Retschn Ernst sei Maschin haben für eine mega Stimmung gesorgt. Ein sehr gelungener Abend, vielen Dank an alle Beteiligten.