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  • Wie normal ist radikal? Wir sollten darüber reden!

    Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Provokation und Ideologie

    Beginn: Freitag, 11. April 2025 // 09:00 Uhr
    Ende: Freitag, 11. April 2025 // 17:00 Uhr
    Ort: Dorfstraße 17, 8435 Wagna

    Extremismus ist ein sehr komplexes Phänomen, das die Gesellschaft aktuell vor große Herausforderungen stellt. Jugendverantwortliche nehmen in Bezug auf Radikalisierung eine enorm wichtige Rolle in der Präventionsarbeit ein. In der Arbeit mit jungen Menschen gelten Beziehungsarbeit und Diskurs als die wichtigsten Ressourcen gegen ein extremistisches Weltbild. Hier können demokratische Werte und Prinzipien auf niederschwellige Art im Alltag vorgelebt werden.

    Provokationen und ein unangepasstes Verhalten sind bei Jugendlichen nicht ungewöhnlich, sondern Bestandteil einer gesunden Sozialisierung. Meistens bleibt es in dieser Lebensphase beim Austesten von Grenzerfahrungen. Wieviel müssen wir als Jugendverantwortliche dabei aushalten, ab wann kann sich daraus eine demokratiegefährdende Ideologie entwickeln?

    Methoden:

    • Präsentation
    • Musik- und Videobeispiele
    • Diskussion

    Ziele:

    • Hintergründe und Zusammenhänge von Radikalisierungsprozessen erkennen
    • Erarbeitung von Handlungsoptionen im Umgang mit Extremismus
    • Haltungen, Möglichkeiten und Grenzen in der eigenen Arbeit reflektieren

    Zielgruppe:

    Jugendverantwortliche (Jugendarbeiter.innen, Lehrer:innen, Jugendbetreuer:innen, Multiplikator:innen…)

    Seminarleitung: Alex Mikusch ist als Sozialpädagoge tätig und hat über 20 Jahre Erfahrung in verschiedenen Bereichen der offenen Jugendarbeit gesammelt. Bachelorarbeit zum Thema „Rechtsorientierte Jugendszenen – Hintergründe, Zugangsweisen und Gegenstrategien aus Sicht der Jugendarbeit“. Seit 2006 diverse Workshops zu den Themen Extremismus, Jugendkulturen und Musik unter anderem im Auftrag der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus und der Beratungsstelle Extremismus. Seit 2020 Workshops über den eigenen Verein SPUNK. www.spunk-graz.at

    Die Teilnahme am Seminar ist dank einer Förderung der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung kostenlos.

    Hier geht es zur Anmeldung: https://www.retzhof.at/bildungshaus/bildungsangebot/index.php/seminars/registerToSeminar?id=397

  • Rezension: Pia Lamberty und Katharina Nocun – True Facts: Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft

    Die Politikwissenschafterin Nocun und die Sozialpsychologin Lamberty haben einen
    weiteren Ratgeber mit praktischen Tipps und fundierten Hintergrundinformationen
    veröffentlicht. Bereits seit mehreren Jahren forschen die deutschen Expertinnen
    intensiv zu den Themen Verschwörungstheorien und Esoterik. Die Autorinnen
    betonen, dass der Glaube an eine große Verschwörung oftmals zentrale
    psychologische Bedürfnisse, wie Kontrolle, Gemeinschaft, Einzigartigkeit, erfüllt. Sie
    sind der Meinung, nur wer durchschaut, an welche psychologischen
    Grundbedürfnisse Verschwörungserzählungen anknüpfen, kann auch effektive
    Gegenstrategien entwickeln.

    Zwei wichtige Erkenntnisse werden als Basis/ Grundbedingung genannt, die bereits
    deutlich machen, warum dieses Problem so komplex ist und Gegenmaßnahmen sehr
    mühsam sind: Es gibt kein Patentrezept gegen Verschwörungsglauben und es gibt
    keine Garantie für erfolgreiche Interventionen. Eine weitere zentrale Aussage des
    Buches ist, dass Verschwörungserzählungen stark auf der emotionalen Eben wirken.
    Sie sind inhaltlich kompliziert, aber auf der emotionalen Ebene sehr einfach. Das übt
    nach Erkenntnis der Autorinnen eine große Anziehungskraft aus.

    Im Buch wird umfassend erläutert, dass es bei Recherchen schwierig ist, zu
    verlässlichen Informationen zu kommen. Bei der Suche gibt es meistens zahlreiche
    Quellen, doch welche ist seriös? Ein gefestigtes verschwörungsideologisches
    Weltbild geht meist mit einer umfassenden Ablehnung seriöser Medien und
    Wissenschaft einher. Immer öfter wird bewusst Desinformation verbreitet, es benötigt
    Hintergrundwissen und Reflexionsbereitschaft, um diese zu enttarnen. So finden sich
    nach Lamberty und Nocun unter den Topergebnissen bei Suchmaschinen oft
    Falschmeldungen und Verschwörungserzählungen. Die Reihenfolge der
    präsentierten Suchergebnisse gibt nicht Auskunft über deren Wahrheitsgehalt, sie
    wird nach einer Vielzahl unterschiedlicher Parameter festgelegt. Hier können diverse
    Fakten-Checker eine große Hilfe zur Klärung bieten. Die Autorinnen verweisen auf
    Initiativen wie „Correctiv“ und „Mimikama“, die sich auf die Prüfung von
    Falschmeldungen spezialisiert haben. Faktenchecks können Zweifel säen, das ist ein
    wichtiger erster Schritt. Aber selbst das hilft nicht immer, es gibt Grenzen, nicht jeder
    lässt sich überzeugen. Lamberty und Nocun erklären, dass es online eher darum
    geht, die stillen Mitleserinnen und Mitleser zu erreichen. Mit überzeugten Extremisten
    und Extremistinnen zu diskutieren würde wenig Sinn machen. Überhaupt ginge es
    darum, seine eigenen Grenzen zu achten. Man muss nicht jede Diskussion
    gewinnen. Es ginge eher darum, immer wieder gesunde Impulse zu geben.

    Lamberty und Nocun beschreiben den antisemitischen Hintergrund, der nach ihren
    Ausführungen oft hinter einer Verschwörungserzählung steckt. Dieser ist demzufolge
    seit tausenden Jahren kulturell tief verankert. Der Mythos der angeblichen jüdischen
    Weltverschwörung wird weitergegeben und an aktuelle Ereignisse angepasst. So
    etwa der Glaube, dass Juden das Blut von Christenkindern trinken würden, um ewige
    Jugend zu erhalten. Dieser antisemitische Mythos taucht laut den Autorinnen aktuell
    etwa wieder bei der QAnon Bewegung auf.

    Das Buch bietet auch konkrete Tipps im Umgang mit Verschwörungsgläubigen. So
    kann unter anderem die Suche nach den Motiven hinter dem Glauben ein möglicher
    Ansatz sein. Eine weitere Möglichkeit sei es im Verlauf von Diskussionen
    Gemeinsamkeiten zu suchen und sich immer wieder drauf zu beziehen.

    Die Autorinnen vergleichen die Irrwege von Verschwörungsgläubigen mit einem
    Kaninchenbau und kommen in ihren Ausführungen zur Erkenntnis, der Weg hinaus
    würde oft genauso lang wie der Weg hinein dauern. Wichtig sei es, möglichst
    frühzeitig zu intervenieren.

    Ein Wunsch/ Anspruch der Autorinnen: Als Gesellschaft müssen wir lernen, uns Hass
    und Hetze entschlossen entgegenzustellen. Das Buch schließt mit einer Forderung
    an Politik und Verantwortliche: Wer über die Gefahren von Verschwörungsideologien
    aufgeklärt wurde, hat bessere Chancen, sich und andere davor zu schützen.
    Lamberty und Nocun plädieren daher für mehr Workshops und Initiativen zur
    Aufklärung und Stärkung von Medienkompetenz und Zivilcourage.

  • Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Provokation und Ideologie, 11. Oktober 2024

    Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Provokation und Ideologie

    Eine praxisorientierte Weiterbildung zum großen Themenfeld Extremismus für Multiplikator:innen aus der Jugendarbeit

    Beginn: Freitag, 11. Oktober 2024 // 09:00 Uhr
    Ende: Freitag, 11. Oktober 2024 // 17:00 Uhr
    Ort: Dorfstraße 17, 8435 Wagna

    Extremismus ist ein sehr komplexes Phänomen, das die Gesellschaft aktuell vor große Herausforderungen stellt. Jugendverantwortliche nehmen in Bezug auf Radikalisierung eine enorm wichtige Rolle in der Präventionsarbeit ein. In der Arbeit mit jungen Menschen gelten Beziehungsarbeit und Diskurs als die wichtigsten Ressourcen gegen ein extremistisches Weltbild. Hier können demokratische Werte und Prinzipien auf niederschwellige Art im Alltag vorgelebt werden.

    Provokationen und ein unangepasstes Verhalten sind bei Jugendlichen nicht ungewöhnlich, sondern Bestandteil einer gesunden Sozialisierung. Meistens bleibt es in dieser Lebensphase beim Austesten von Grenzerfahrungen. Wieviel müssen wir als Jugendverantwortliche dabei aushalten, ab wann kann sich daraus eine demokratiegefährdende Ideologie entwickeln?

    Inhalte:

    • Radikalisierung – Hintergründe und Zusammenhänge
    • politischer und religiöser Extremismus
    • Hintergründe und Erkennungsmerkmale von Verschwörungserzählungen
    • Symbole, Codes, Slogans
    • relevante Bewegungen in der Steiermark
    • Gegenmaßnahmen, Handlungsoptionen und notwendige Haltungen für die Praxis

    Methoden:

    • Präsentation
    • Musik- und Videobeispiele
    • Diskussion

    Ziele:

    • Hintergründe und Zusammenhänge von Radikalisierungsprozessen erkennen
    • Erarbeitung von Handlungsoptionen im Umgang mit Extremismus
    • Haltungen, Möglichkeiten und Grenzen in der eigenen Arbeit reflektieren

    Zielgruppe:

    Jugendverantwortliche (Jugendarbeiter.innen, Lehrer:innen, Multiplikator:innen…)

    Die Teilnahme am Seminar ist Dank einer Förderung der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung kostenlos. Eine Anmeldung per Mail an office@spunk-graz.at ist unbedingt erforderlich.

    Seminarleitung: Alex Mikusch ist als Sozialpädagoge tätig und hat über 20 Jahre Erfahrung in verschiedenen Bereichen der offenen Jugendarbeit gesammelt. Bachelorarbeit zum Thema „Rechtsorientierte Jugendszenen – Hintergründe, Zugangsweisen und Gegenstrategien aus Sicht der Jugendarbeit“. Seit 2006 diverse Workshops zu den Themen Extremismus, Jugendkulturen und Musik unter anderem im Auftrag der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus und der Beratungsstelle Extremismus. Seit 2020 Workshops über den eigenen Verein SPUNK. www.spunk-graz.at

  • Wie normal ist radikal? Wir sollten darüber reden!

    Wir freuen uns, dass wir auch in diesem Schuljahr wieder Teil des OEAD Angebots sind und kostenlose Workshops zum Thema Extremismusprävention anbieten dürfen.

    Diese Workshops werden für Schulklassen und AMS-Kursmaßnahmen angeboten. Nähere Infos und Buchungen sind hier ab Anfang September möglich:
  • Rezension: Peter Pichler – Breaking the Law? Recht, Moral und Klang in der steirischen Heavy-Metal-Szene seit 1980

    Peter Pichler ist nach mehrjähriger Forschungs- und Lehrtätigkeit an den Universitäten Graz und Wien nun am Institut für Rechtswissenschaftliche Grundlagen der Karl-Franzens-Universität Graz tätig. Der promovierte Kulturhistoriker leitet dort das mehrjährige Forschungsprojekt „Breaking the Law…?! Normenbezogenes klangliches Wissen in der Heavy Metal-Kultur“, in welchem erstmals breit und interdisziplinär die Kulturgeschichte der steirischen Heavy Metal-Szene erforscht wird. Auf diesem Gebiet gibt es wenig seriöse Forschung, die meisten bisher vorhandenen Arbeiten sind aus der Sicht von Fans geschrieben und daher weniger objektiv. Der Autor ist selber als Fan in die Szene verstrickt, das erfordert die eigene Position im Feld gut zu reflektieren. Pichler hat i Rahmen einer einjährigen Forschung 22 Interviews mit verschiedenen Personen aus der Metal-Szene geführt. Diese Interviews decken inhaltlich alle untersuchten Jahrzehnte repräsentativ ab.  

    Metal ist Musik und Lifestyle, die klangliche Heaviness ist ein spezifischer Sound und genredefinierend. Pichler beschreibt wie steirische Metalfans zu Beginn nach internationalem Vorbild gegen ein konservativ-bürgerliches Establishment aufbegehren wollten und versuchten sich dagegen abzugrenzen. Das Auflehnen gegen das Rechtssystem und der Kampf gegen Widerstände galten als tragende Elemente der Metal-Identität.

    Chronologisch werden im Buch drei Kapitel beschrieben:

    Die Pionierphase fand in den frühen 1980er Jahren statt, in diesem Jahrzehnt etablierte sich die steirische Metal-Szene. Eigene Institutionen, Räume und Netzwerke wurden gebildet, die teilweise bis heute bestehen. Im zweiten Kapitel geht es um eine Ausdifferenzierung und Pluralisierung in den 1990ern, es entstanden nach internationalem Vorbild verschiedene Spielarten von Metal. Die dritte Phase war geprägt durch die Digitalisierung und dauert bis heute an, mit einer Erweiterung um digitale Szeneräume im Internet.

    Der Autor beschreibt ausführlich wie in den 1980ern mit gängigen Moralvorstellungen bewusst gebrochen wurde, Metalheads bezeichneten sich gern selbst als Outlaws. Dieser Begriff taugte zu dieser Zeit um eine subkulturelle Identitätsstiftung zu ermöglichen. Das Hören von harter Musik, der spezielle Habitus, verschiedene Szenecodes wie das Tragen von langen Haaren und schwarzen Band-Shirts halfen dabei. Der Autor beschreibt eine grundsätzliche Ambivalenz zwischen Liberalität und Konservatismus, die der Metal-Szene schon immer innewohnte. Freiräume wollten erobert werden, dabei mussten aber reglementierende und einengende Aspekte des Rechts eingehalten werden. Die Gründung von Vereinen und das Veranstalten von Konzerten erforderte die Einhaltung von Bestimmungen, Gesetzen und Vereinsrecht. Pichler nennt in diesem Zusammenhang das Grazer Jugendkulturzentrum Explosiv als  eine äußerst wichtige Institution, die seit 1988 existiert und bis heute von treuen Besucher:innen als „Familie“ betrachtet wird. 

    Der Autor beschreibt weiter wie sich die Szene in den 1990ern zunehmend politisierte, es kam zu einer Pluralisierung der Werte. Diskussionen gab es etwa um die Rolle von Frauen und um Männlichkeit, dies führte dazu dass Frauen in der Szene stärker präsent waren. Gleichzeitig aber lebte der konservative Patriarchalismus weiter, wichtige Positionen blieben männlich besetzt. Pichler nennt Gothic Metal  und Black Metal als Missing Link, der dazu führte dass mehr junge Frauen andocken konnten, die Szene öffnete sich zunehmend. Um 1990 herum fand durch die Grunge Bewegung ein Bruch statt, der auch lokal zu beobachten war. Eine damit einhergehende Liberalisierung der Gesellschaft für die Szene minderte das Bedürfnis zu rebellieren. 

    In den 2000er Jahren setzte eine Digitalisierung ein, vorhandene Strukturen wurden um digitale Räume ergänzt. Pichler spricht davon, dass das Rebellieren online fortgesetzt und der Outlaw-Mythos digitalisiert wurde. Der Kampf gegen ungeschriebene Gesetze einer unfairen Gesellschaft wird nun ironisch relativiert und gebrochen. Es entstand eine Paradoxie: die steirische Metalszene wurde durch einen Liberalisierungsschub erfasst, es kam aber zugleich zu einer neuen Konjunktur traditioneller Werte. Der Autor bezeichnet dies als „digitalen Biedermeier“ des Metal in der Steiermark und spricht hier zugleich von einer Welle des Ultraliberalismus.

    Pichler kommt zum Schluss, dass die steirische Metal-Szene gegenwärtig sehr intakt ist, in Graz und über die gesamte Steiermark existieren viele aktive Netzwerke. Das vorliegende Buch ist kein übliches Fanbuch, sondern eine wissenschaftliche Publikation, die gründlich und fundiert die steirische Metal-Szene erforscht.

  • Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Provokation und Ideologie, 12.04.2024

    Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Provokation und Ideologie

    Eine praxisorientierte Weiterbildung zum großen Themenfeld Extremismus für Multiplikator:innen aus der Jugendarbeit

    Beginn:  Freitag, 12. April 2024 // 09:00 Uhr
    Ende: Freitag, 12. April 2024 // 17:00 Uhr
    Ort: Dorfstraße 17, 8435 Wagna

    Extremismus ist ein sehr komplexes Phänomen, das die Gesellschaft aktuell vor große Herausforderungen stellt. Jugendverantwortliche nehmen in Bezug auf Radikalisierung eine enorm wichtige Rolle in der Präventionsarbeit ein. In der Arbeit mit jungen Menschen gelten Beziehungsarbeit und Diskurs als die wichtigsten Ressourcen gegen ein extremistisches Weltbild. Hier können demokratische Werte und Prinzipien auf niederschwellige Art im Alltag vorgelebt werden.

    Provokationen und ein unangepasstes Verhalten sind bei Jugendlichen nicht ungewöhnlich, sondern Bestandteil einer gesunden Sozialisierung. Meistens bleibt es in dieser Lebensphase beim Austesten von Grenzerfahrungen. Wieviel müssen wir als Jugendverantwortliche dabei aushalten, ab wann kann sich daraus eine demokratiegefährdende Ideologie entwickeln?

    Inhalte:

    • Radikalisierung – Hintergründe und Zusammenhänge

    • politischer und religiöser Extremismus

    • Hintergründe und Erkennungsmerkmale von Verschwörungserzählungen

    • Symbole, Codes, Slogans

    • relevante Bewegungen in der Steiermark

    • Gegenmaßnahmen, Handlungsoptionen und notwendige Haltungen für die Praxis

    Methoden:

    • Präsentation

    • Musik- und Videobeispiele

    • Diskussion

    Ziele:

    • Hintergründe und Zusammenhänge von Radikalisierungsprozessen erkennen

    • Erarbeitung von Handlungsoptionen im Umgang mit Extremismus

    • Haltungen, Möglichkeiten und Grenzen in der eigenen Arbeit reflektieren

    Zielgruppe:

    Jugendverantwortliche (Jugendarbeiter.innen, Lehrer:innen, Multiplikator:innen…)

    Die Teilnahme am Seminar ist Dank einer Förderung der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung kostenlos. Eine Anmeldung per Mail an office@spunk-graz.at ist unbedingt erforderlich.

    Seminarleitung: Alex Mikusch, BA, Sozialpädagoge, Erlebnispädagoge, Spielpädagoge. Über 20 jährige Erfahrung in verschiedenen Bereichen der offenen Jugendarbeit. Seit 2006 diverse Workshops zu den Themen Extremismus und Jugendkulturen. www.spunk-graz.at

  • Rezension: Thomas Schmidinger – Wenn der Herrgott das Wichtigste auf der Welt ist. Katholischer Traditionalismus und Extremismus in Österreich

    Der österreichische Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger ist an der Uni Wien und an der Fachhochschule Vorarlberg tätig und ist auch in zahlreichen Organisationen, Initiativen und Gremien aktiv. Er gilt in Österreich als der Experte für die Themen Politischer Islam, Jihadismus und Naher Osten. In diesem aktuell erschienenen Buch beschreibt er seine Forschungserkenntnisse über verschiedene Einrichtungen katholischer Traditionalisten. Schmidinger hat in mehreren Ländern gründlich nachgeforscht, Messen und Veranstaltungen besucht und Interviews mit zahlreichen Priestern und Gläubigen geführt. 

    Schmidinger sieht eine Beteiligung an diesen Glaubensgemeinschaften des Katholischen Traditionalismus als trotzige Ablehnung des gesellschaftlichen Mainstreams. Er spricht dabei von sturen Modernisierungsverweigernden mit ultrakonservativen Weltanschauungen. Laut dem Autor sind es rückwärtsgewandte Utopien mit einem demokratiefeindlichen Weltbild. Diese verschiedenen Gruppierungen vereinen demzufolge eine Ablehnung von Liberalismus und eine Nähe zum Rechtsextremismus und Antisemitismus.

    Der Autor begründet die Teilnahme in diesen engen Parallelgesellschaften dadurch, dass strikte Regeln und einfache Erklärungen in Krisenzeiten auf manche Menschen attraktiv wirken würden.

    In einer zunehmend unsicher werdenden Welt werden Worte und Handlungen eines Priesters von vielen Gläubigen unhinterfragt als absolut gesetzt. 

    Im Buch wird ein Beispiel genannt, wie erzkonservative Einrichtungen versuchen, in die Gesellschaft zu wirken.  So hat vor einigen Jahren ein Verein unter dem Deckmantel Sexualpädagogik Workshops in Schulen durchgeführt. Dabei wurde gegen Abtreibung und Homosexualität propagiert, auch gegen Sex vor der Ehe. Erst 2019 kam es dann zu strikteren Überprüfungen durch das Bildungsministerium.

    Hauptaugenmerk legt Schmidinger in seinem Buch auf die Priesterbruderschaft St. Pius X, die auch als Piusbrüder bezeichnet werden. Diese bedeutendste und einflussreichste Strömung der traditionalistischen Priesterbruderschaften stellt laut ihm die weltweit größte katholisch-fundamentalistische Organisation dar. Der Autor beschreibt bei ihnen sektenartige Strukturen und eine Kontrolle der Gläubigen. So würde es eine Einteilung in gute Innenwelt und böse Außenwelt geben und verschiedene Verschwörungstheorien essenziell zum Gedankengut gehören.  

    Schmidinger schildert in seinen Ausführungen, dass die Jugendarbeit der Piusbruderschaft in Österreich gut ausgebaut sei. Er beschreibt ein System, das den eigenen Kindern kaum Möglichkeiten lässt, aus dieser geschlossenen Welt zu entfliehen. Dabei sollen Jugendliche bis zum Arbeitsleben soweit abgeschottet und gefestigt werden, dass sie nicht mehr abtrünnig werden. Der Autor beschreibt weiters die Anwendung einer stark ausgeprägten Angstpädagogik zur Erziehung der nächsten Generation. Gleichberechtigung von Frauen, Verhütung und Homosexualität würden strikt abgelehnt.

    Laut dem Autor hat sich im Umfeld der Piusbruderschaft im Zusammenhang mit den Coronamaßnahmen eine starke Impfskepsis entwickelt. COVID wird als „Lektion Gottes“ interpretiert, die Covid-Impfung wird daher als moralisch bedenklich angesehen. Auffallend ist für Schmidinger auch ein regelmäßiger Anti-Abtreibungsaktivismus, Teilnehmer:innen bezeichnen sich als Lebensschützer:innen. Für ihn ist das Abtreibungsthema ein wichtiges Bindeglied zum Rechtsextremismus. Die Piusbruderschaft hat auch in Österreich mehrere Gemeindezentren, unter anderem in Graz.

    Dieses Buch ist verstörend. Es sind religiöse Gruppierungen, die von der Öffentlichkeit als unauffällig oder nicht problematisch wahrgenommen werden. Schmidinger beschreibt Hintergründe, zeigt Verbindungen auf und erklärt schlüssig, was daran problematisch ist. Teilweise verzettelt sich der Autor in Details und wird zu speziell in Bezug auf historische Entwicklungen. An anderen Stellen sind einige unnötige Wiederholungen nicht nachvollziehbar und verwirrend. Insgesamt bietet dieses Werk wichtige Informationen über demokratiefeindliche und menschenverachtende Weltbilder innerhalb Strömungen der katholischen Kirche.

  • Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Provokation und Ideologie, 20.10.2023

    Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Provokation und Ideologie

    Eine praxisorientierte Weiterbildung zum großen Themenfeld Extremismus für Multiplikator:innen aus der Jugendarbeit

    Beginn:  Freitag, 20. Oktober 2023 // 09:00 Uhr
    Ende: Freitag, 20. Oktober 2023 // 17:00 Uhr
    Ort: Dorfstraße 17, 8435 Wagna

    Extremismus ist ein sehr komplexes Phänomen, das die Gesellschaft aktuell vor große Herausforderungen stellt. Jugendverantwortliche nehmen in Bezug auf Radikalisierung eine enorm wichtige Rolle in der Präventionsarbeit ein. In der Arbeit mit jungen Menschen gelten Beziehungsarbeit und Diskurs als die wichtigsten Ressourcen gegen ein extremistisches Weltbild. Hier können demokratische Werte und Prinzipien auf niederschwellige Art im Alltag vorgelebt werden.

    Provokationen und ein unangepasstes Verhalten sind bei Jugendlichen nicht ungewöhnlich, sondern Bestandteil einer gesunden Sozialisierung. Meistens bleibt es in dieser Lebensphase beim Austesten von Grenzerfahrungen. Wieviel müssen wir als Jugendverantwortliche dabei aushalten, ab wann kann sich daraus eine demokratiegefährdende Ideologie entwickeln?

    Inhalte:

    • Radikalisierung – Hintergründe und Zusammenhänge

    • politischer und religiöser Extremismus

    • Hintergründe und Erkennungsmerkmale von Verschwörungserzählungen

    • Symbole, Codes, Slogans

    • relevante Bewegungen in der Steiermark

    • Gegenmaßnahmen, Handlungsoptionen und notwendige Haltungen für die Praxis

    Methoden:

    • Präsentation

    • Musik- und Videobeispiele

    • Diskussion

    Ziele:

    • Hintergründe und Zusammenhänge von Radikalisierungsprozessen erkennen

    • Erarbeitung von Handlungsoptionen im Umgang mit Extremismus

    • Haltungen, Möglichkeiten und Grenzen in der eigenen Arbeit reflektieren

    Zielgruppe:

    Jugendverantwortliche (Jugendarbeiter.innen, Lehrer:innen, Multiplikator:innen…)

    Die Teilnahme am Seminar ist Dank einer Förderung der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung kostenlos. Eine Anmeldung per Mail an office@spunk-graz.at ist unbedingt erforderlich.

    Seminarleitung: Alex Mikusch, BA, Sozialpädagoge, Erlebnispädagoge, Spielpädagoge. Über 20 jährige Erfahrung in verschiedenen Bereichen der offenen Jugendarbeit. Seit 2006 diverse Workshops zu den Themen Extremismus und Jugendkulturen. www.spunk-graz.at

  • Rezension: Matthias Pöhlmann – Rechte Esoterik. Wenn sich alternatives Denken und Extremismus gefährlich vermischen

    Matthias Pöhlmann lebt in Bayern, wo er viele Jahre lang als Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen tätig war. Aktuell ist der erfahrene Theologe und Publizist als Lehrbeauftragter an der Uni München beschäftigt. Seine jahrelangen Beobachtungen und Erkenntnisse fließen in das vorliegende Buch ein, welches 2021 im Herder Verlag erschienen ist.

    In seinem Buch zeigt Pöhlmann auf, dass sich unter dem Deckmantel der Esoterik gut extremistisches Gedankengut verbreiten lässt. Esoterische Weltdeutungen würden zu radikalen Einstellungen neigen, seit Mitte der 1990er würden in der Esoterik Szene zunehmend Bücher auftauchen, die Verschwörungstheorien vertreten. Als Feindbild werden dabei hauptsächlich Juden benannt. Dies geschieht teilweise offen aber auch durch Umschreibungen bewusst verdeckt, um sich nicht strafbar zu machen.

    Nach den Beobachtungen des Autors ist Verschwörungsglaube geprägt von einem tiefen Misstrauen gegenüber Wissenschaft, Politik, Medien und Religion. An diese Ideologie anknüpfend bezeichnet er die Corona-Proteste als Hotspots für verschiedene Verschwörungsmythen. Pöhlmann befindet, dass sich die ursprüngliche Skepsis gegen staatliche Pandemiemaßnahmen mehr und mehr zu einer grundlegend demokratiefeindlichen und sicherheitsgefährdenden Haltung entwickelt hat. Laut ihm sind während der Corona Pandemie die Vernetzungen zwischen antidemokratischen Strömungen und einschlägigen Akteur:innen aus dem Extremismusumfeld besonders sichtbar geworden.

    Pöhlmann nennt als problematische Kernpunkte in der Esoterik: Antisemitismus, Rassismus, Intoleranz, Verschwörungstheorien und Sozialdarwinismus. Laut dem Autor sind besonders Theosophie und Anthroposophie immer wieder in den Verdacht geraten, den Boden für rassistische und antisemitische Gedanken vorbereitet zu haben. Die esoterische Anthroposophie Rudolf Steiners und ihr Praxisfeld, die Waldorfpädagogik, gerieten während der Pandemie in die Kritik. Pöhlmann bestätigt dabei Abgrenzungsprobleme gegenüber verschwörungsgläubigen Haltungen. Heute gäbe es nach seinen Beobachtungen Allianzen zwischen Rechtsextremen, Reichsbürgern und Waldorfschulen.

    Der Autor spricht von einem sogenannten zweiten Antisemitismus, mit dem wir es aktuell zu tun haben. Dieser besteht seinen Ausführungen nach darin, dass nicht mehr pauschal „die Juden“ beschimpft werden. Er äußert sich vielmehr in indirekten, verschlüsselten Versionen, in Anspielungen und Codes. Diese neue Art des Antisemitismus behauptet von sich kein Antisemitismus zu sein, was durch verschiedene historische und anthropologische Umdeutungen zu belegen versucht wird. Pöhlmann nennt dafür auch Beispiele aus Musik und Literatur. So greift etwa der deutsche Sänger Xavier Naidoo in mehreren Songs auf typische antisemitische Codes und QAnon Elemente zurück. Der seit Jahrzehnten einschlägig bekannte deutsche Schriftsteller Jan Udo Holey verwendet in seinen Büchern unter dem Pseudonym Jan van Helsing typische codierte Formulierungen, die als rechtsextrem und antisemitisch zu deuten sind.

    Auch Alternativmedizin ist laut Pöhlmann eine wichtige Schnittstelle zu rechtsextremer Ideologie, was Pöhlmann anhand der Germanischen Neuen Medizin nach Hamer deutlich beschreibt: neben der medizinischen Unwirksamkeit wird bei dieser gefährlichen Kurpfuscherei öffentlich der Holocaust geleugnet und rassistische und antijüdische Propaganda verbreitet.

    Als einen ersten Schritt einer Gegenmaßnahme empfiehlt Pöhlmann Person- und Sachkritik voneinander zu trennen, Verschwörungsgläubige nicht abzuwerten oder zu verunglimpfen. Der Einsatz für eine friedliche Welt würde es aber auch erfordern, Grenzen der Toleranz zu benennen.

    Ein Fazit dieses wichtigen Buches: Verschwörungsmythen stellen für die Demokratie eine große Gefahr dar. Der Verschwörungsglaube polarisiert und ist empfänglich für extremistisches und antidemokratisches Gedankengut.

  • Rezension: Katharina Nocun/ Pia Lamberty: Gefährlicher Glaube – die radikale Gedankenwelt der Esoterik

    Das mittlerweile bewährte Autorinnen-Duo Lamberty und Nocun hat soeben ein weiteres Buch zum großen Themenkomplex Verschwörungserzählungen veröffentlicht.  Diesmal beleuchten sie die weite Welt der Esoterik. Ebendiese spielt in zahlreiche problematische Gruppierungen massiv hinein, die aktuell von Bedeutung sind.

    Die Sozialpsychologin Lamberty und die Publizistin Nocun haben jahrelang zu der Thematik geforscht und intensiv in der Szene recherchiert. Sie kommen zu der Erkenntnis, dass esoterische Weltanschauungen ein Gegenentwurf einer demokratischen liberalen Gesellschaft sind. Innerhalb dieses Weltbilds würden marginalisierte Gruppen systematisch abgewertet und vermeintlich Schwächere als schadhaft für die Gesellschaft gelten.

    Die Autorinnen führen aus, dass jeder Mensch eine gewisse Neigung zu diesen Bewegungen hat. Esoterik spricht psychologische Grundbedürfnisse an, die wir alle in uns tragen. Jeder Mensch ist in unterschiedlichem Ausmaß anfällig für Trugschlüsse und Denkfehler. So tritt niemand bewusst einer sogenannten Sekte bei, sondern man schließt sich einer vermeintlich guten Sache an.

    Auch wenn Esoterik nicht pauschal als extremistisch einzustufen sei, so finden sich dabei laut Lamberty und Nocun doch viele ideologische Anknüpfungspunkte für menschenverachtende Ideologien. Heute aktuelle Bewegungen, wie etwa QAnon, knüpfen an Jahrtausende alte Narrative an, die antisemitisch besetzt sind. Die Autorinnen erklären ausführlich welche Wirkungsmechanismen dazu führen, dass Menschen sich diesen destruktiven Kreisen anschließen.

    Lamberty und Nocun vertreten eine kritische Sicht bezüglich der von Rudolf Steiner gegründeten Anthroposophie. Dessen spirituelle Weltanschauung wurde wesentlich durch die umstrittene russische Okkultistin Helena Blavatskys beeinflusst, aus deren Theosophie Steiner vor gut 100 Jahren seine Thesen weiterentwickelte. Nach den Autorinnen sei die Weltanschauung von Steiner rassistisch und antisemitisch geprägt. Auch wenn man die Ansichten von Steiner im Kontext des Zeitgeists sehen muss, sollte man wissen, welchen Hintergrund die von ihm entwickelte Waldorfpädagogik hat.

    Das Buch nennt exemplarisch einige Beispiele, die untermauern, was genau an Esoterik problematisch sein kann. So wird etwa ausführlich beschrieben, was hinter der Biodynamischen Landwirtschaft steckt, die auf Steiner zurückzuführen ist. Ebenso wird der Hintergrund der völkischen Anastasia Bewegung erklärt.

    Ein weiteres Kapitel widmet sich der Germanischen Neuen Medizin, in der sich verzweifelte Krebspatienten eine alternative „Heilmethode“ erhoffen. Zu letztgenannter gibt es einen Bezug zur Steiermark, da deren mittlerweile verstorbene Gründer über viele Jahre eine Privatklinik in der Nähe von Hartberg führte. Im Buch wird beschrieben, dass durch diese Behandlungen über 500 Patienten zu Tode kamen. Die Germanische Neue Medizin weist laut den Autorinnen einen deutlich antisemitischen Hintergrund auf, sie ist nicht nur in rechtsextremen, sondern auch in linksalternativen Szenen verbreitet.

    Als weiteres Beispiel wird im Buch die „Barcode Verschwörung“ erläutert, die vor einigen Jahren besonders in Bioläden Einzug gehalten hat. Es gab die Annahme, dass Strichcodes Energien bündeln und die Qualität von Nahrungsmitteln beeinflussen würde. Daher haben bestimmte Firmen jahrelang den Barcode ihrer Produkte mittels eines aufgedruckten Striches „entstört“.

    Auch ein Zusammenhang zwischen Impfskepsis und Esoterik ist nicht neu. Die Autorinnen betonen, dass eine Impfablehnung in gewissen Kreisen immer schon antisemitisch aufgeladen war. Hinter einer gesetzlichen Impfpflicht wurde etwa bereits zur Zeit des Nationalsozialismus eine jüdische Verschwörung geortet.

    Fazit: esoterische Weltbilder können vor allem bei den Themen Gesundheit und Ernährung zu problematischen Haltungen führen.