Der Grazer Historiker Heimo Halbrainer arbeitet vorrangig zu Erinnerungs- und Gedenkkultur mit lokalem Bezug und hat dazu zahlreiche Bücher verfasst und herausgebracht. Sein bereits 1995 gegründeter Verein Clio beschäftigt sich mit Geschichts- und Bildungsarbeit, unter anderem zum Thema Nationalsozialismus und Widerstand. Der Verein möchte mit seiner Arbeit Menschen sichtbar machen, die sich gegen den Nationalsozialismus gestellt haben und für ihre Überzeugung eingestanden sind. Halbrainer ist für seine Tätigkeiten mehrfach ausgezeichnet worden, so erhielt er zum Beispiel 2013 den Menschenrechtspreis der Stadt Graz.
Das vorliegende Buch behandelt verschiedene steirischen Widerstandstätigkeiten gegen den Nationalsozialismus. Während deutsche Beispiele wie die Geschwister Scholl oder Graf von Stauffenberg gut bekannt sind und deren Erlebnisse vielfach verfilmt wurden, zeigt Halbrainer auf, dass es auch in Österreich einen bedeutenden Widerstand gab, der jedoch nach dem Krieg in Vergessenheit geraten ist. Es ist ein Thema, dass in der bisherigen Geschichtsforschung bisher nur marginal behandelt wurde. Auch in der Steiermark gab es bedeutende Widerstandstätigkeiten, was nahezu unbekannt ist.
Heimo Halbrainer hat in dieser Auswahl die Lebensgeschichten von über 20 steirischen Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern festgehalten. Dies sind Frauen und Männern, die seit 1938 auf vielfältige Art und Weise gegen den Nationalsozialismus aufgetreten sind. Ihr Engagement umfasste etwa die Verteilung von Flugblättern, die Hilfe an Mithäftlingen in den Konzentrationslagern, verschiedene Sabotagetätigkeiten oder im bewaffneten Partisanenkampf gegen die Nationalsozialisten.
Einige der angeführten Personen haben diese Zeit nicht überlebt, sie wurden wegen ihrer Widerstandstätigkeiten hingerichtet. Andere waren auch noch nach dem Krieg aktiv und haben in Schulen als Zeitzeug:innen über die Zeit im Nationalsozialismus berichtet.
Halbrainer führt an, dass nur wenige dieser Menschen zu Lebzeiten die Aufmerksamkeit und Anerkennung erhalten haben, die sie für ihren aktiven Einsatz gegen den Nationalsozialismus verdient hätten. Er unterstreicht außerdem wie wichtig der eigene Beitrag Österreichs war, den die Alliierten auf der Moskauer Konferenz im November 1938 als Voraussetzung für die Wiedererlangung der Unabhängigkeit des Landes einforderten.
Fazit: dieses Buch ist ein äußerst wichtiger Beitrag zur lokalen Zeitgeschichte.
